Kürzlich erreichte die Eisenbahnfreunde Bebra e.V. die Nachricht vom Tod von Siegfried Matuschak, welcher am 4. Juli im Alter von 70 Jahren verstarb.
Siegfried Matuschak zählte ab 1977 zu einer Gruppe von vier eisenbahnbegeisterten jungen Männern aus Südniedersachsen, welche es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Bebraer Denkmal-Dampflok 01 1102 optisch zu restaurieren.
Während seiner beruflichen Tätigkeit für die Signalmeisterei in Geislingen an der Steige pendelte er am Wochenende zwischen Schwaben und Niedersachsen. Dabei fuhr er – die Schnellfahrstrecke für den ICE-Verkehr gab es damals noch nicht – auch immer wieder an der in den Abend- und Nachtstunden eindrucksvoll beleuchteten Denkmallokomotive in Bebra vorbei.
Im Rahmen eines Ausflugs mit einigen gleichgesinnten Eisenbahnfreunden nahm man das im Mai 1974 aufgestellte Denkmal in Augenschein: Dabei stellte man umfangreiche Rostschäden fest. Zusätzlich wich die Lackierung des Denkmals an mehreren Stellen von der klassischen Lackierungsweise ab, wodurch sich die Lok in einem untypischen Aussehen präsentierte. Wind und Wetter hatten in den drei Jahren seit der Aufstellung weitere deutliche Spuren hinterlassen.
Die Gruppe bot daraufhin der Stadt Bebra ihre Unterstützung für eine optische Aufarbeitung an, Ansprechpartner war damals der erste Stadtrat Hans Horn. Aus Rotenburg stieß dann noch ein weiterer Eisenbahnfreund dazu. Das Quartett wurde gelegentlich von weiteren Helfern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis unterstützt.
Das anfangs für ein Jahr geplante Projekt entpuppte sich dabei als umfangreicher als gedacht: Der unter dem Lack entdeckte Rost sollte gründlich entfernt werden. Man benötigte also nicht nur mehr Zeit, sondern musste auch technisch aufrüsten – stets mit Unterstützung und Wohlwollen der Stadt Bebra, aber auch von Bundesbahn und Bevölkerung. Hin und wieder kam es vor, dass man abends in Bebra beim Feierabendbier von anderen Gästen in den Lokalen „erkannt“ wurde – und einen ausgegeben bekam.
Die Aufarbeitung fand schließlich im Jahr 1982 ihren vorläufigen Abschluss, Siegfried Matuschak hatte sich danach aus beruflichen Gründen „ausklinken“ müssen. Er selbst hatte die Geschichte über die Aufarbeitung und die Zeit in Bebra gut dokumentiert.
Siegfried Matuschaks Verbindung zu Bebra erlebte im Jahr 2017 eine „zweite Blüte“: Ein Bebraer Eisenbahner hatte – basierend auf einem kleinen Artikel der Rotenburg-Bebraer Allgemeinen in der Reihe „Vor 40 Jahren“ – auf Umwegen Kontakt zu einigen der damals an der Aufarbeitung der 01 1102 beteiligten Personen aufgenommen. Im Rahmen zweier kurzweiliger Bild-Vorträge stellte Siegfried Matuschak in den Jahren 2019 und 2022 dann auch der Bebraer Bevölkerung die Aufarbeitung durch die vier Männer von Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre vor.
Die Eisenbahnfreunde Bebra e.V. sind – ebenso wie die Stadt Bebra – Siegfried Matuschak und seinen Mitstreitern von damals auch heute noch zu Dank verpflichtet. Sie schufen uneigennützig – und größtenteils weit entfernt der eigenen Heimat – etwas für Einheimische, Besucher und die Fahrgäste der vorbeifahrenden Züge, von dem auch heute noch viele Menschen gerne erzählen.
Dieser Einsatz trägt bis in die Gegenwart: Wie bedeutsam das Dampflok-Denkmal auch heute noch für Bebra ist, bezeugt das große Wandgemälde am Rathausmarkt der Eisenbahnerstadt.
Hintergrund:
Eine Keimzelle der Eisenbahnfreunde Bebra e.V.: Die Denkmal-Lokomotive 01 1102
Die Stadt Bebra trieb 1985 die Gründung eines Vereins voran, welcher sich nicht nur um den Wasserturm, sondern auch um die Denkmal-Dampflok 01 1102 kümmern sollten. Beides sind bzw. waren die Keimzellen der heutigen Eisenbahnfreunde Bebra e.V.
Der Verein kümmerte sich in Zusammenarbeit mit lokalen Firmen um die Erhaltung des Dampflok-Denkmals und sammelte anfangs selbst auch normalspurige Lokomotiven und Wagen mit Bezug zu Bebra und dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Diese gab man ab den 1990er Jahren jedoch nach und nach an andere Vereine ab und konzentrierte sich fortan auf den Wasserturm sowie den Bau und Betrieb der beliebten Schmalspurbahnen.
Die wiederkehrende Restaurierung und optische Aufarbeitung der 01 1102 sorgte auch für deren vergleichsweise guten Gesamtzustand. Dieser führte Anfang der 1990er Jahre zu einem Pachtvertrag zwischen der Stadt Bebra und einer Betriebsgesellschaft aus Österreich. Diese ließ die 01 1102 abbauen und mit mehreren Lastwagen in das bekannte Dampflokwerk im thüringischen Meinigen bringen.
Dort wurde die Lokomotive betriebsfähig aufgearbeitet und äußerlich in ihren Ablieferungszustand von 1940 versetzt, wobei sie auch wieder mit der markanten Stromlinienverkleidung ausgestattet wurde. Die fortan in dunkelblau lackierte Schnellzuglok war über einige Jahre in Deutschland und dem angrenzenden Ausland mit zahlreichen Sonderzügen unterwegs, ehe sie aufgrund technischer Schäden und Ablauf der Untersuchungsfristen abgestellt werden musste.
Eine ab 2013 geplante Aufarbeitung in einem Werk in Tschechien wurde seinerzeit abgebrochen, weil der Gesamtkonzern – zu dem das Werk gehörte – Konkurs anmeldete. Dem nunmehrigen Besitzer aus Österreich gelang es dann 2021 die Lokomotive samt einiger historischer Personenwagen aus Tschechien zurück nach Deutschland zu holen. Die 01 1102 und die Wagen sind derzeit an verschiedenen Standorten in Sachsen-Anhalt hinterstellt.
- 2022 hielt Siegfried Matuschak zum zweiten und leider letzten Mal den Vortrag über die Aufarbeitung der 01 1102.
- Herr Matuschak besuchte im Sommer 2019 den Bahnhof Bebra und ließ sich dort von Stefan Knoche (Leiter der Stadtentwicklung Bebra) sowie Steven Kunz und Patrick Rehn u.a. das Kesselhaus sowie das restliche Bahnhofsareal zeigen.
- Herr Matuschak besuchte im Sommer 2019 den Bahnhof Bebra und ließ sich dort von Stefan Knoche (Leiter der Stadtentwicklung Bebra) sowie Steven Kunz und Patrick Rehn u.a. das Kesselhaus sowie das restliche Bahnhofsareal zeigen.
- 2022 besuchte Siegfried Matuschak für seinen Vortrag über die Aufarbeitung der 01 1102 die Dauerausstellung im Bahnhof Bebra.
- Die Denkmallok 01 1102 während der Aufarbeitung im September 1979
- Die Denkmallok 01 1102 im Dezember 1974
- Herr Matuschak besuchte im Sommer 2019 bei einem Rundgang durch Bebra auch am Rathausmarkt das Wandgemälde „seiner“ 01 1102.














